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Der achtfache Yogapfad – außere Regeln

Ahimsā. Die erste außere Regeln von Patañjali.

Ahimsā ist die die Abwesenheit von himsā. Und himsa bedeutet in Sanskrit „töten“, „Verletzung“, „Schaden“, „Gewalt“ (Sanskrit Glossar S.55). Wo ist himsā in meinem Leben? Zum Beispiel, wenn ich schroff und unfreundlich zu meinen Kindern bin oder wenn ich über einen unbeliebten Arbeitskollegen lästere. 

Um die Regeln der ahimsā zu befolgen muss ich mich also von himsā trennen. Und damit ich es schaffe, muss ich nach den Gründen von himsā suchen.

Warum verletze ich andere Menschen? Weil ich mich von meinen Emotionen treiben lasse. Kinder nerven, dann bin ich halt unfreundlich; der besagte Kollege hat wieder Mist gebaut, dann lasse ich Dampf ab und sage das eine oder andere hinter seinem Rücken. 

Die Ursache ist in mir und nicht bei den Kids oder den Kollegen. Ich füge mir sogar dabei Schaden zu, weil ich am Ende schlecht gelaunt bin und Gewissensbisse habe.

Ok, soweit so gut. Wie schaffe ich es aber, mich von den Emotionen zu lösen? In dem ich Yoga mache und meinen Geist beherrsche! 
Und die Belohnung ist groß: „Wenn man in der Gewaltlosigkeit fest gegründet ist, schafft man eine Atmosphäre des Friedens und alle, die in die Nähe kommen, geben die Feindschaft auf“, so Patanjali in der Sutra 2.35.

Satya und Asteya

Die zweite äußere Regel von Patanjali ist „satya“- Wahrheit / Wahrhaftigkeit. Damit verbinde ich das dritte Yama – „asteya“, was bedeutet: „Nicht-Stehlen“.
Viele von uns könnten sagen: Natürlich sage ich die Wahrheit! Ich hab noch nie was gestohlen!

Wenn ich die beiden Yama auf mich beziehe, sehe ich sie aus einer anderen Perspektive. Bin ich ehrlich zu mir selbst? Lebe ich das Leben, was ich mir für mich gewünscht habe? Oder erfülle ich Erwartungen von anderen Menschen? Belüge ich mich selbst, mit Glaubenssätzen, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben? Stehle ich mir meine Lebenszeit, indem ich mit Menschen rumhänge, die mir nicht gut tun, die mich demotivieren? Oder ziehe ich mich selbst runter?

Wenn man die beiden Regeln befolgt, schafft man eine Grundlage für die Reifung der Taten (Sutra 2.36) und es kommen einem alle Schätze von selbst zu (Sutra 3.37)

Also worauf warten?

Brahmacarya

Die vierte äußere Regel – „brahmacarya“ ist für mich schwierig zu interpretieren. Das Wort wird als „reiner Lebenswandel“, aber auch „Enthaltsamkeit“, „keine sexuelle Aktivität“ übersetzt.

Der sexuelle Trieb wird als der störendste Trieb empfunden. „Die Emotionen, die hinter der Sexualität stehen, müssen sorgfältig gelenkt werden, damit die große Kraft der Energie für bessere und höhere Absichten genutzt werden kann“, so Dr. Gharote.

Aber brahmacarya wird von manchen Interprätatoren breiter gesehen. Sie meinen, dass es sich viel mehr um einen reinen Geist handelt. .
So oder so wird einem die große Kraft versprochen, wenn er im reinen Lebenswandel fest gegründet ist. .

Aparigraha

Last but not least important: die fünfte Yama heißt „aparigraha“ und bedeutet: “Nicht-Besitzergreifen”, „nicht –horten“. 
Immer wenn wir unsere indischen Freunde besuchen, die ebenso in Deutschland leben, bin ich jedes Mal fasziniert, wie einfach sie leben und wie wenig sie brauchen.

Als ich vor ein paar Jahren Minimalismus für mich entdeckt habe, habe ich ordentlich ausgemistet und mich von vielen Sachen getrennt. Es fühlt sich gut an, wenig zu besitzen. Je weniger ich an materiellen Sachen habe, desto mehr Platz gibt es in meinem Kopf. Natürlich sammeln sich Sachen doch noch, allerdings habe ich gelernt mir die Frage zu stellen: brauche ich es wirklich? Macht mich das glücklich(er)?  Ich kaufe fast nie neue Kleidung, alle Möbel in meiner Wohnung sind second hand, ich kaufe mein Essen regional und saisonal. Weil ich genau damit diese Regel verbinde. Mit bewusstem Umgang mit Ressourcen.

Und nun?

Buddha hat gesagt: „Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“ Deswegen ist es so wichtig unsere Gedanken zu kontrollieren. Die Yamas sind ein Kodex des Verhaltens. Mit Hilfe von Yamas können wir  anfangen uns mit unseren Gedankenprozessen auseinanderzusetzen.

Den Yamas folgen  Niyamas – die inneren Regeln. Mehr darüber erfährst nächsten Freitag.